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Fühligkeit beim Pferd

Fühligkeit beim Pferd

Fühligkeit bei Pferden – Hilfe & Tipps bei fühligem Gang

Zeigt ein Barhufer auf hartem, steinigem oder unebenem Untergrund ein vorsichtiges, verkürztes Gangbild oder wirkt er unsicher beim Auffußen, ist dies häufig ein Hinweis auf Fühligkeit. Ein fühliger Gang entsteht meist durch eine Überlastung oder gesteigerte Empfindlichkeit im Hufbereich. Dies ist ein Warnsignal, das keinesfalls unbeachtet bleiben sollte.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Ursachen dahinterstecken können, woran Sie Fühligkeit frühzeitig erkennen und mit welchen gezielten Maßnahmen Sie dieser von Anfang an wirksam vorbeugen.

Was bedeutet Fühligkeit beim Pferd?

Von Fühligkeit spricht man, wenn sich eine Empfindlichkeit der Hufe deutlich im Gangbild des Pferdes widerspiegelt. Ursache ist häufig eine Reizung der empfindlichen Sohlenlederhaut.

Ein fühliges Pferd setzt die Hufe vorsichtig oder zögerlich auf, belastet sie nur ungern und zeigt verkürzte Schritte. Der Gang wirkt klamm, steif oder unwillig – das Pferd stolpert oftmals vermehrt.

Besonders deutlich tritt Fühligkeit auf Untergründen auf, die die Hufsohle punktuell stark beanspruchen, wie z. B. auf Schotter, steinigem Gelände oder unebenem, hartem Boden. Nimmt die Empfindlichkeit weiter zu, zeigt sich das veränderte Gangbild schließlich auch auf ebenen Untergründen.

Ursachen: Warum läuft mein Pferd fühlig und stolpert?

Fühligkeit ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom mit vielfältigen Ursachen. Von Hufkrankheiten über mechanische Überlastung bis hin zu Stoffwechselproblemen – die Auslöser können sehr unterschiedlich sein. Entscheidend ist, die genaue Ursache zu identifizieren, um gezielt handeln zu können.

Hufkrankheiten als häufige Ursache

Fühligkeit kann auch ein erstes Warnsignal für verschiedene Erkrankungen sein. Bei einer beginnenden Hufrehe zeigt sich häufig zunächst nur eine leichte Fühligkeit, die leider oft als „Faulheit“ oder Unwilligkeit des Pferdes missverstanden wird. Gerade diese frühen Anzeichen sollten jedoch ernst genommen werden, denn nur durch rechtzeitiges Handeln lässt sich ein schwerer Verlauf möglicherweise verhindern.

Auch Hufabszesse oder Entzündungen der Huflederhaut können sich zu Beginn lediglich durch ein fühliges Gangbild bemerkbar machen.

Darüber hinaus können Erkrankungen, die mit Zersetzungs- oder Fäulnisprozessen im Huf einhergehen, wie Strahlfäule oder die sogenannte White Line Disease, ebenfalls Fühligkeit verursachen. Ist eine Strahlfäule bereits so weit fortgeschritten, dass sie die Lederhaut erreicht, entstehen deutliche Schmerzen, die sich im Gangbild widerspiegeln.

Bei der White Line Disease kann die Hufwand durch fortschreitende Zersetzungsprozesse so stark geschädigt werden, dass sie ausbricht und ihre tragende Funktion verliert. In der Folge muss die Sohle einen größeren Teil der Last übernehmen, was zu Überlastung und Fühligkeit führen kann. Zudem besteht auch hier die Gefahr, dass die Zersetzung bis zur Lederhaut vordringt und schmerzhafte Entzündungen auslöst.

Die Huflederhautentzündung

Tritt eine leichte Fühligkeit ausschließlich unter dem Reiter und nur auf steinigen oder unebenen, harten Böden auf, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. Dennoch empfiehlt es sich, solche Untergründe vorerst zu meiden oder einen geeigneten Hufschutz zu verwenden.

Zeigt das Pferd jedoch auch mit Hufschutz oder auf weicheren, weniger anspruchsvollen Böden ein fühliges Gangbild, kann dies auf eine bereits bestehende Huflederhautentzündung hindeuten. Diese entsteht häufig durch eine Überlastung des Sohlenbereichs.

Fehlstellungen und unzureichende Hufbearbeitung

Eine Fühligkeit kann verschiedene Ursachen haben. Neben unterschiedlichen Erkrankungen kann sie bei beschlagenen Pferden auch nach einem Hufschmiedbesuch auftreten. Wird der Huf beispielsweise zu lange aufgebrannt, zu stark ausgeschnitten oder zu hoch genagelt, kann die empfindliche Huflederhaut gereizt werden.

Auch bei unbeschlagenen Pferden kann ein zu starkes oder unsachgemäßes Ausschneiden zu Fühligkeit führen. Weitere mögliche Ursachen sind eine übermäßige Abnutzung des Hufhorns, eine dünne Sohle oder ein flaches Sohlengewölbe. In all diesen Fällen werden Reize stärker an die Huflederhaut weitergegeben.

Zusätzlich können harte, steinige oder unebene Untergründe Fühligkeit auslösen. Besonders bei Barhufpferden kann beispielsweise eine Weide, die durch Frost oder lange Trockenperioden sehr hart geworden ist, zu einem fühligen Gangbild führen.

Fühligkeit bei Pferden – Stoffwechsel

Auch der Stoffwechsel kann indirekt eine Ursache für Fühligkeit beim Pferd sein. Häufig handelt es sich dabei um ein frühes Anzeichen einer beginnenden Hufrehe. Stoffwechselerkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS) oder das Equine Cushing-Syndrom (ECS) können zu einer gestörten Insulinregulation und dauerhaft erhöhten Insulinwerten führen. Ein erhöhter Insulinspiegel wirkt sich unter anderem auf die Blutgefäße in der Huflederhaut aus und kann die Durchblutung beeinträchtigen. Dadurch kann das empfindliche Gewebe geschädigt werden.

Zusätzlich kann ein dauerhaft hoher Insulinspiegel in den Zellen der Lamellenschicht bestimmte Signalwege aktivieren, die eigentlich für Wachstum und Zellteilung zuständig sind. Dies kann zu einer Fehlregulation der Zellen führen und die Stabilität der Lamellenstruktur schwächen. Wird dieses Gewebe geschädigt, spricht man von einer Hufrehe. In solchen Fällen ist also nicht der Stoffwechsel selbst die direkte Ursache der Fühligkeit, sondern die dadurch ausgelöste Hufrehe.

Auch die Fütterung kann indirekt zu Fühligkeit beitragen. Liegt über längere Zeit ein Nährstoffmangel vor, kann sich dies erst deutlich später bemerkbar machen. Da ein Huf etwa ein Jahr benötigt, um vollständig nachzuwachsen, zeigt sich minderwertiges oder instabiles Horn häufig erst viele Monate nach der eigentlichen Mangelsituation am Tragrand.

Darüber hinaus können auch sehr hohe Mengen an Zucker und Stärke in der Fütterung problematisch sein. Sie können den Stoffwechsel stark belasten und unter bestimmten Umständen ebenfalls eine Hufrehe auslösen, die sich wiederum durch Fühligkeit bemerkbar machen kann.

Pferd läuft fühlig – typische Symptome erkennen

  • Vorsichtiges, zögerliches oder unsicheres Aufsetzen der Hufe

  • Häufig kürzere Schritte

  • Klammer oder unwilliger Gang

  • Vermehrtes Stehenbleiben und widerwilliges Weiterlaufen bei stärkerer Fühligkeit

Charakteristisch ist außerdem, dass sich die Symptome auf weichem Boden deutlich verbessern, während harte oder steinige Untergründe die Beschwerden verstärken.

Liegt bereits eine Entzündung vor, können sich die Hufe warm anfühlen. Ist zusätzlich ein deutlich fühlbarer Puls an den Hufen vorhanden, sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden, da dies auf eine beginnende Überlastungsrehe hinweisen kann.

Maßnahmen und Behandlung bei Fühligkeit 

Schritt 1: Ursache ermitteln

Ist ein Pferd fühlig, sollten zunächst die Hufe gründlich auf mögliche Erkrankungen und einen zu hohen Abnutzungsgrad untersucht werden. Besteht der Verdacht auf eine Hufrehe, sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Schritt 2: Sofortmaßnahmen

Kann keine Erkrankung festgestellt werden, ist es wichtig, die Hufe vor weiterer Belastung zu schützen. Das Pferd sollte sich möglichst nur auf weichen Untergründen bewegen oder vorübergehend einen Hufschutz tragen. Dabei ist zu beachten, dass Hufschuhe in der Regel nur stundenweise verwendet werden sollten. Wird ein dauerhafter Schutz benötigt, können Kunststoff-, Eisen- oder Klebebeschläge eine sinnvolle Alternative sein.

Schritt 3: Unterstützende Pflege

Zur Unterstützung der Hornqualität können die Hufe zusätzlich mit Keralit Huf-Festiger behandelt werden. Er kann dazu beitragen, das Hufhorn stabiler, widerstandsfähiger und abriebfester zu machen. Ist zu wenig Horn vorhanden, kann außerdem die Keralit Lorbeer-Salbe eingesetzt werden, um das Hufwachstum zu unterstützen.

Fühligkeit beim Pferd vorbeugen – die besten Tipps

Vorbeugen ist besser als behandeln – das gilt auch bei Fühligkeit. Mit der richtigen Pflege, angepasster Haltung und gezielten Maßnahmen können Sie das Risiko für Fühligkeit deutlich reduzieren und gesunde Hufe Ihres Pferdes langfristig fördern.

Regelmäßige Hufpflege durch erfahrene Fachkräfte

Um Fühligkeit vorzubeugen, ist eine regelmäßige und fachgerechte Hufbearbeitung besonders wichtig. Gerade und gleichmäßig lange Hufwände helfen, Ausbrüche sowie eine übermäßige oder ungleichmäßige Abnutzung zu vermeiden.

Der Hufbearbeiter oder Hufschmied kann außerdem frühzeitig erkennen, wenn sich die Hufe zu stark abnutzen, und entsprechende Maßnahmen empfehlen.

Auch zwischen den Terminen ist der Pferdebesitzer gefragt: Die Hufe sollten regelmäßig kontrolliert werden. Durch das rechtzeitige Brechen der Kanten können kleine Ausbrüche verhindert und die Hufe zusätzlich geschützt werden.

Trockene, saubere Böden und ausreichend Bewegung

Neben der Hufpflege spielen auch die Untergründe eine wichtige Rolle. Sie sollten sauber, hygienisch und nicht dauerhaft nass sein, da Feuchtigkeit Strahlfäule oder White Line Disease begünstigen kann, was wiederum zu Fühligkeit führen kann.

Auch der Auslauf sollte, sofern das Pferd keinen Hufschutz trägt, nicht steinig oder mit groben Knochensteinen befestigt sein. Unter dem Reiter sollten steinige und unebene Untergründe ohne Hufschutz ebenfalls möglichst gemieden werden.

Grundsätzlich gilt sowohl bei der Bewegung mit als auch ohne Reiter: Auf anspruchsvollen Untergründen wie Schotterwegen sollte das Pferd genau beobachtet werden. Hat man den Eindruck, dass das Pferd solche Böden meidet, zum Beispiel indem es auf den weicheren Randstreifen ausweicht, kann dies ein Hinweis auf empfindliche Hufe sein. In diesem Fall sollte über einen geeigneten Hufschutz nachgedacht und der entsprechende Untergrund vorerst gemieden werden.

Unabhängig davon ist für die Gesundheit des Pferdes insgesamt wichtig, dass es sich regelmäßig und ausreichend auf geeigneten Untergründen bewegen kann.

Gesunde, zuckerarme Ernährung mit hochwertigem Mineralfutter

Auch in der Ernährung spielt Vorbeugung eine wichtige Rolle. Unabhängig davon, ob ein Pferd bereits fühlig ist oder nicht, sollte immer darauf geachtet werden, das Risiko für eine Hufrehe möglichst gering zu halten. Dafür muss die Fütterung individuell an den Stoffwechsel des Pferdes angepasst werden.

Gleichzeitig ist eine ausgewogene Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen entscheidend. Nur wenn das Pferd langfristig optimal versorgt ist, kann gesundes, stabiles Hufhorn nachwachsen und eine gute Hornqualität erhalten bleiben.

Hufpflegeprodukte zur Stärkung der Hornsubstanz einsetzen

Eine weitere Möglichkeit, Fühligkeit und anderen Hufproblemen vorzubeugen, ist die regelmäßige Anwendung des Keralit Huf-Festigers. Er kann dazu beitragen, das Hufhorn zu stabilisieren und widerstandsfähiger sowie abriebfester zu machen.

Darüber hinaus kann er Fäulnisprozessen im Huf entgegenwirken, die das Horn schwächen und seine Stabilität beeinträchtigen können.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Fühligkeit beim Pferd

Wie lange darf ein Pferd Hufschuhe tragen?

Hufschuhe sollten von Pferden in der Regel nur für wenige Stunden am Tag getragen werden, beispielsweise während eines Ausritts. Viele Modelle werden über eine Klemmung im Bereich von Fessel und Ballen befestigt, meist mithilfe von Bändern oder Schnallen. Dadurch sind sie in der Regel nicht für eine dauerhafte Anwendung geeignet.

Was sollte man füttern bei Fühligkeit beim Pferd?

Die Pferdefütterung beeinflusst die Qualität des Hufwandhorns mit einer Zeitverzögerung von etwa einem Jahr. Sie kann nur das Horn beeinflussen, das neu gebildet wird. Daher lässt sich eine akute Fühligkeit nicht unmittelbar über die Fütterung verbessern.

Unabhängig von bestehenden Hufproblemen sollte jedoch immer auf eine bedarfsgerechte Fütterung geachtet werden. Dazu gehören ausreichend hochwertiges Heu sowie eine ausgewogene Versorgung mit Mineralstoffen, um langfristig gesundes und stabiles Hufhorn zu fördern.

Warum ist mein Pferd nach der Hufbearbeitung fühlig?

Nach einer Hufbearbeitung kann ein Pferd vorübergehend fühlig sein. Durch das Kürzen des Hufs ist die Huflederhaut beim Laufen wieder stärkeren Reizen ausgesetzt. Außerdem muss sich das Pferd zunächst an das veränderte Gefühl beim Auffußen gewöhnen.

In manchen Fällen kann auch die Bearbeitung selbst die Lederhaut reizen. Wird beispielsweise zu viel Horn entfernt, der Huf zu lange aufgebrannt oder die Nägel zu hoch gesetzt, kann dies Schmerzen verursachen.

Verschwindet die Fühligkeit nicht innerhalb weniger Tage von selbst, sollte zunächst der Hufschmied oder Hufbearbeiter kontaktiert werden. Bleiben die Beschwerden bestehen oder verschlimmern sie sich, sollte anschließend ein Tierarzt hinzugezogen werden.

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