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Hufrehe beim Pferd - besser vermieden, als geheilt

Hufrehe beim Pferd - besser vermieden, als geheilt

Die Hufrehe zählt zu den schmerzhaftesten Erkrankungen beim Pferd. Sie ist im akuten Stadium immer ein absoluter Notfall. Unbehandelt kann sie beim Pferd zu eingeschränkter oder dauerhafter Unbrauchbarkeit, dauerhaftem Leid und bis zum Verlust jeglicher Lebensqualität führen.

Hufrehe beim Pferd: Definition und Verlauf

Hufrehe entwickelt sich als Entzündung der Huflederhaut. Infolge der Erkrankung schwillt die Huflederhaut an, so dass die Blutzirkulation im Huf gestört wird. Die Schwellung kann sich in der Hufkapsel nicht ausweiten und so kommt es zu starken Druckschmerzen.

Medizinisch wird Hufrehe auch als Laminitis bezeichnet – eine Entzündung der Lamellen (Blättchen), die das Hufbein mit der Hornkapsel verbinden. Mehr zur Anatomie und Funktion der Huflederhaut finden Sie in unserem separaten Ratgeber.

Im weiteren Verlauf kommt es zur sehr schmerzhaften, teilweisen oder vollständigen Ablösung der Huflederhaut von der Hornkapsel. In ganz extremer Ausprägung löst sich die Hornkapsel vollständig ab (Ausschuhen).

Leichte und schleichende Hufrehe

Oft werden leichte, schleichende Hufrehe Symptome übersehen. In der Tiermedizin spricht man hier auch von subklinischer Hufrehe – das Pferd zeigt keine dramatischen Anzeichen, aber im Huf finden bereits schädliche Prozesse statt.  Zeitweiliger mangelnder Fleiß des Pferdes wird ggf. als Faulheit interpretiert. Mit etwas Glück erscheint nach einigen Tagen wieder alles normal. Lediglich der aufmerksame Hufbearbeiter weist vielleicht einige Monate später auf eine leicht verbreiterte Weiße Linie mit Anzeichen von Einblutungen hin oder auf nicht parallele Hufringe an der Hufwand.

Auch hier kann es bereits zu einer leichten Veränderung der Hufbeinlage mit Abweichung der Hufform vom Normalzustand gekommen sein. Wo ein erster Hufreheschub ohne Optimierung der Haltungs- und Nutzungsbedingungen stattfindet, kommen in der Regel weitere, schwerere Schübe hinzu.

Typische Anzeichen einer schleichenden (subklinischen) Hufrehe:
●    Unwilligkeit auf hartem Boden zu laufen
●    Gelegentliches Entlasten der Vorderbeine im Stand
●    Leichte Erwärmung der Hufe (nicht immer spürbar)
●    Verbreiterte Weiße Linie bei der Hufbearbeitung
●    Ungleichmäßige oder divergierende Hufringe

Daher ist es besonders wichtig auf die schleichenden Hufrehe Symptome zu achten und diese richtig zu deuten, um Folgeschäden zu vermeiden.

Akute Hufrehe

Bei einem mittleren, akuten Hufreheschub sind die Anzeichen deutlicher und sollten dem aufmerksamen Pferdebesitzer unbedingt auffallen. Der Gang ist unwillig, schleppend, tappend.

In der akuten Phase des starken Reheschubs kann das Pferd sich schmerzbedingt kaum bewegen und nur unter Schmerzen stehen. Je stärker der Reheschub, desto heftiger ist die Entzündung und die daraus folgenden, schädlichen Auswirkungen auf die Strukturen im Huf.

Alle Hufreheschübe sind absolute Notfälle für den Tierarzt und dulden keinen Aufschub!

Chronische Hufrehe

In der chronischen Phase ist die akute Huflederhautentzündung abgeklungen. Die schmerzhaften Veränderungen an den Strukturen im Huf sind weitgehend zum Stillstand gekommen. Mit dem entstandenen Schaden im Inneren der Hufkapsel und allen daraus resultierenden Folgeschäden muss das Pferd nun erstmal irgendwie zurechtkommen.

Eine Heilung, das heißt eine Wiederherstellung der ursprünglichen Form und Funktionalität des Hufes, ist je nach Schwere des Schadens mit viel Engagement über einen langen Zeitraum manchmal möglich.

Hufrehe erkennen: Symptome im Überblick

Symptome der akuten Hufrehe

Eines der ersten (oft übersehenen) erkennbaren Symptome der akuten Hufrehe ist eine leichte Erwärmung im Bereich der Trachten und des darüberliegenden Saumbandes. Im weiteren Verlauf kann der gesamte Huf fühlbare Wärme zeigen. Auf der Innenseite des Fesselgelenks kann ggf. eine starke Pulsation gefühlt werden. Das Pferd bewegt sich ungern, mit kurzen, stockenden Schritten und deutlichem Wendeschmerz. Im Stand hebt es schmerzbedingt häufig wechselseitig die betroffenen Beine an.

Es kann zur typischen „Rehehaltung“ kommen. Das Pferd verlagert seinen Schwerpunkt auf die Trachten, um den Zehenbereich zu entlasten. Die Vorder- und Hinterbeine sind nach vorne geschoben. Das Aufnehmen eines Beines kann schwierig bis unmöglich werden. Gibt man dem Pferd die Möglichkeit, möchte es meist gerne liegen, um Druck und Zug von den Hufstrukturen zu nehmen.

Die akute Phase dauert normalerweise 2 bis 3 Tage. Durch die starke Entzündung und das Anschwellen der Huflederhaut wird die Durchblutung der Huflederhaut deutlich reduziert. Danach ist die die Hornkapsel nicht mehr warm, sondern kalt.

Symptome der chronischen Hufrehe

Durch die starke Entzündung in der akuten Phase wurde die Verbindung zwischen Hufbein und Zehenwand zerstört. Das Hufbein wird durch die Zugwirkung der tiefen Beugesehne nach hinten-unten gezogen (Hufbeinrotation). Die Hufbeinspitze kann als Folge sogar die Hufsohle durchstoßen (Sohlendurchbruch).

Meist sinkt das Hufbein - aufgrund des defekten Aufhängungsapparates in der Hornkapsel- zusätzlich nach unten ab (Hufbeinsenkung). Mit diesen Veränderungen der Lage des Hufbeines beginnt das chronische Stadium. Die schmerzhafte Entzündung klingt meist im Laufe der nächsten Wochen ab, jedoch bleibt die Veränderung in der Hornkapsel. Im weiteren Verlauf verändert sich die Hufform allmählich erkennbar.

Typische Symptome einer chronischen Hufrehe sind:

  • Vermehrte Trachtenfußung
  • Verbreiterung der Weißen Linie im Zehenbereich.
  • Entstehung des Schnabelhufes (Zehenwand entfernt sich vorne)
  • Trachte wird höher
  • Bildung eines Knollhufs
  • Geringe bis gar keine oder sogar konvexe Wölbung der Hufsohle.
  • Druckempfindliche Hufsohle
  • Nicht parallele, sondern zu den Trachten hin auseinander laufende Ringe der Hufwand

Das Pferd bleibt meistens auch nach Abklingen der akuten Entzündung empfindlich an der Hufsohle, läuft fühlig und gebunden. Es meidet harten Boden. Oft belastet es im Gang und vor allem im Stand vermehrt die Trachten, um den Bereich der Hufzehe zu entlasten. Das Exterieur, die Körperhaltung des Pferdes verändert sich negativ. Dies begünstigt die Trageerschöpfung.

Was sind die Ursachen für Hufrehe bei Pferden?

Die Ursachen für Hufrehe sind vielfältig, komplex und immer wieder kommen neue Erkenntnisse und Zusammenhänge hinzu. Oft sind es Kombinationen aus mehreren Ursachen. Bei den meisten Pferden spielt Übergewicht eine entscheidende Rolle.

Futterrehe

Die bekannteste und wohl auch häufigste Ursache ist eine falsche Fütterung. Eine plötzliche Veränderung des Darmmilieus durch ein individuelles oder plötzliches Übermaß an Stärke, Zucker bzw. Fruktanen führt dazu, dass Rohfaserverdauende Bakterien absterben und massiv Giftstoffe freisetzen. Dies kann dann zu entzündlichen Reaktionen der Huflederhaut führen.

Ein typisches Beispiel ist der Beginn der Weidezeit, ohne dass das Pferd allmählich an das Gras gewöhnt wurde. Auch der Weidegang zu Zeiten an denen der Fruktangehalt der Gräser besonders hoch ist oder eine plötzliche, mengenmäßig bedeutsame Futterumstellung, z.B. von Heu auf Heulage oder Kraftfuttergabe, können Hufrehe auslösen.

Was sind Fruktane und wann sind sie gefährlich?

Fruktane sind Speicherkohlenhydrate, die Gräser bei Stress einlagern. Der Fruktangehalt im Weidegras ist besonders hoch, wenn:
●    Frost + Sonnenschein zusammentreffen (typisch im Frühjahr und Herbst)
●    Das Gras unter Trockenstress steht
●    Nach längerer Trockenheit plötzlich Regen fällt und das Gras schnell wächst
●    Die Temperaturen unter 5°C liegen, aber die Sonne scheint

Übergewicht

Die tickende Zeitbombe. Oft bereits unerkannt, verbunden mit Stoffwechselerkrankungen wie EMS (Equines Metabolisches Syndrom). Diese Pferde haben oft unerkannt bereits kleinere Hufreheschübe gehabt, bis der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt und eine wirklich schlimme Hufrehe auslöst.

Wie erkenne ich Übergewicht beim Pferd?

Der sogenannte Body Condition Score (BCS) hilft bei der Einschätzung. Dabei wird auf einer Skala von 1-9 bewertet, wie viel Fett das Pferd angesetzt hat. Ein BCS von 5 gilt als ideal, ab 7 spricht man von Übergewicht. Typische Anzeichen für zu viel Gewicht sind:
●    Fettpolster am Mähnenkamm (Speckhals)
●    Fettdepots am Schweifansatz
●    Fetteinlagerungen über den Augen
●    Rippen schwer oder nicht mehr fühlbar
●    Fehlende Bauchtaille von oben betrachtet

Im Zweifel kann der Tierarzt den BCS bestimmen und eine Gewichtsreduktion begleiten.

Belastungsrehe (mechanische Hufrehe)

Überlastung der Hufsohle durch mechanische Einwirkung, z.B. unebener harter Boden (unbefestigte Ausläufe bei längeren Frostperioden), hohes Tempo auf hartem Boden (Distanzritte), Barhufritte auf hartem unebenen Boden.

Chronische Krankheiten wie das Equine Cushing Syndrom (ECS) und das Equine Metabolisches Syndrom (EMS)

Pferde mit EMS oder ECS können aufgrund des gestörten Insulin- bzw. Hormonhaushaltes eher an Hufrehe erkranken.

Medikamente

Manche Pferde, insbesondere, wenn sie bereits durch eine Stoffwechselproblematik vorbelastet sind, reagieren z.B. bei Cortisonbehandlung mit Hufrehe.

Vergiftungsrehe

Auslöser können Verunreinigung des Futters sein (z.B. Borreliosebakterien), aber auch giftige Pflanzen, schimmliges Brot und Insektenschutzmittel im Futter.

Nachgeburtsrehe

Eine Vergiftung kann beispielsweise auch durch nur teilweises Abgehen der Eihaut/Nachgeburt nach der Fohlengeburt entstehen.

Reizung des Kronrandes

Scharfe Einreibungen können zu einer Reizung des Kronrandes führen. 

Ist mein Pferd ein Risikopferd? Schnellcheck

Nicht jedes Pferd ist gleich anfällig für Hufrehe. Mit diesem Schnellcheck können Sie einschätzen, ob Ihr Pferd zur Risikogruppe gehört:

Ihr Pferd gehört zur Risikogruppe, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:

  • Pony, Isländer, Haflinger, Norweger oder andere Robustrasse
  • Übergewicht oder Fettpolster erkennbar (BCS > 6)
  • Bereits einen Hufreheschub in der Vergangenheit gehabt
  • Diagnose EMS oder Cushing (PPID) liegt vor
  • Wenig Bewegung bei hohem Futterangebot
  • Hufe sind häufig warm oder das Pferd läuft fühlig
  • Pulsation an den Fesselarterien öfter spürbar
  • Alter über 15 Jahre (erhöhtes Cushing-Risiko)

Je mehr Punkte zutreffen, desto wichtiger sind vorbeugende Maßnahmen wie kontrolliertes Weidemanagement und angepasste Fütterung.

Wie lässt sich eine Hufrehe bei Pferden behandeln?

Akute Hufrehe: Was kann der Besitzer tun?

Beim ersten Erkennen des aktuten Hufrehesymptomes sollte sofort der Tierarzt verständigt werden, denn es handelt sich hierbei um einen Notfall! Eine schnelle Hufrehe Behandlung innerhalb der ersten 48 Stunden kann das chronische Stadium noch abwenden oder vermindern.

5 Tipps zur akuten Hufrehe Behandlung

  1. Bewegung schadet: Jeder Schritt führt zu einer weiteren Zerreißung der Verbindung Hornkapsel-Hufbein. Daher ist Boxenruhe mit tiefer (mindestens 30cm), weicher, nachgebender Einstreu (Späne, Torf, Sand oder ähnliches) wichtig. Stroh ist ungeeignet. Das Pferd soll ohne viel Mühe die Zehe in die Einstreu nach unten stecken können und sich hinlegen. (Praktischer Test, ob die Einstreumenge ausreichend ist: Lassen Sie sich aus dem Stand schwungvoll auf die Knie fallen. Ist die Landung weich und angenehm?). Das Hinlegen reduziert den Zug der tiefen Beugesehne auf das Hufbein. So fällt die drohende Hufbeinrotation weniger stark aus. Der Tierarzt wird vermutlich Entzündungshemmer verordnen. Diese wirken auch schmerzlindernd. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass das Pferd sich wieder mehr bewegt.
  2. Dauerhafte Kühlung der Hufe: Oft wird empfohlen den Huf immer wieder zu kühlen, um die Entzündung zu reduzieren. Das funktioniert bei Hufrehe so nicht! Nach jedem Kühlen reagiert der Teil des Körpers mit vermehrter Durchblutung, das heißt die Entzündung wird wieder vermehrt angeregt. Kühlung funktioniert bei akuter Hufrehe nur, wenn der Kältereiz (Eiswasser) durchgängig, mindestens 72 Stunden am Huf verbleibt. Das bedeutet permanentes Überwachen und Erneuern der Umschläge über diesen Zeitraum. Als Alternative kann man das Pferd über diesen Zeitraum auch in fließendes Gewässer stellen (Paddock im Bach). Dies ist nur möglich, wenn das Pferd noch gut stehen kann.
  3. Naturheilkunde: Begleitend können naturheilkundliche Methoden (z.B. Homöopathie oder Blutegel) unterstützen.
  4. Diät bei Übergewicht: Bei Übergewicht sollte bereits die Zeit der Boxenruhe genutzt werden, um das Pferd vorsichtig auf Diät zu setzen. Hier sollten Sie jedoch fachlichen Rat einholen. Einfach die Raufuttermenge zu sehr zu reduzieren kann gefährlich sein.
  5. Pflegemittel: Man sollte die Weiße Linie mit einem geeignetem Pflegemittel, z.B. dem Keralit Huf-Festiger, penibel pflegen. Die Bedingung hierfür ist, dass das Pferd schmerzfrei die Hufe geben kann.

Übergang in die chronische Phase: Was ist zu tun?

Nach einigen Wochen Boxenruhe sollte das Pferd auch ohne Schmerzmittel in der Lage sein, gut auf seinen vier Beinen zu stehen und sich auf einem geeigneten Auslauf frei zu bewegen.

Jegliche Zwangsbewegung (auch Treiben durch andere Pferde) ist zu vermeiden. Dann kann durch den Hufbearbeiter versucht werden, allmählich die Lage des Hufbeines wieder parallel zur Hufwand zu bekommen. Ein aussagefähiges Röntgenbild über die Lage des Hufbeines ist hilfreich.

Die Wiederherstellung der ursprünglichen, funktionalen Hufform ist ein langer Prozess und dauert mindestens so lange, wie das Hufhorn benötigt, um komplett vom oberen Hufrand nach unten zu wachsen (mindestens zwölf Monate). Erst wenn dies gelingt, ist die Verbindung zwischen Hufkapsel und Hufbein wieder stabil. Dann erst kann das Pferd wieder vorsichtig belastet werden. Bei zu früher oder zu starker Belastung (Reitergewicht, Untergrund, Tempo), kommt es wieder zu neuen Zerreißungen und somit zu einer weiteren Entzündung der Huflederhaut.

Die fachgerechte Korrektur des Hufes muss weiterhin penibel erfolgen. Bis die ursprüngliche, funktionelle Hufform wieder hergestellt ist kann es mehrere Monate bis Jahre dauern. Oft bleibt eine dauerhafte Empfindlichkeit an der Hufsohle zurück. Eine komplette Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Pferdes ist meistens fraglich. Je nach Schwere der Veränderung mag es bereits ein Erfolg sein, wenn das Pferd ohne Belastung schmerzfrei leben kann.

Chronische Hufrehe: So unterstützen Sie Ihr Pferd

Nicht immer ist eine vollständige Wiederherstellung der Hufform und Hufbeinlage möglich.

Durch Hufrehe geschädigte Hufe haben eine verbreiterte Weiße Linie. Deren Struktur ist weicher und bietet eine offene Angriffsfläche für Bakterien und Pilze. Kleine Steinchen drücken sich leicht hinein. All dies schädigt die Weiße Linie zusätzlich. Oft entstehen hieraus vermehrt Hufgeschwüre.

Ein sauberer, trockener Stall und Paddock in Kombination mit Pflege hilft dem empfindlichen Hufhorn. Das tägliche, trockene Säubern der Weißen Linie und ein Pflegemittel zum Schutz vor Hornzersetzung, wie der Keralit Huf-Festiger ist sehr sinnvoll. Als Folge der veränderten Hornkapsel entstehen kleine Risse und Spalten in der Hufwand. Auch dies sind Eintrittspforten und ein Tummelplatz für Pilze und Bakterien, welche die Hufwand noch mehr schädigen. Das Keralit Hufbad wirkt den Hornzersetzungsprozessen entgegen.

Durch Hufrehe geschädigte Hufe sind empfindlich an der Sohle. Harter Boden, Schotter und harte Unebenheiten (Steinchen auf dem Boden) führen zu Schmerzen und können eine erneute Huflederhautentzündung auslösen. Barhufpferde mit Hufrehe benötigen daher weiches, nachgiebiges Geläuf ohne Steinchen, egal ob auf dem Paddock oder bei Ausflügen.

Ein passender Hufschuh kann für kurze Strecken hilfreich sein. Alternativ sollte ein dauerhafter Hufschutz (Rehebeschlag) angebracht werden, möglichst mit Platte und Polster (z.B. Luvex-Hufrehepolster), um die empfindliche Hufsohle zu schützen.

Zwischen Hufsohle und Polster ist zum Schutz vor Verkeimung und Verpilzung der Weißen Linie (White Line Disease) ein geeignetes Produkt, z.B. Keralit Undercover, aufzubringen. Bei Eisenbeschlägen kann stärkeres Aufbrennen bereits ein neues Problem an der Huflederhaut auslösen.

Das Gewicht des Hufbeschlags oder Hufschuhs ist möglichst gering zu halten. Eine gute Alternative kann ein Hufschutz aus Kunststoff sein, entweder genagelt oder geklebt.

Reitergewicht und Tempo erhöhen die Belastung des Hufes. Auf Anzeichen von Schmerzen bei der Bewegung ist unbedingt Rücksicht zu nehmen.

Erneuten Reheschub vorbeugen

Ein Pferd, welches bereits einen Hufreheschub hatte, ist prädestiniert für weitere Reheschübe. Es gilt, penibel mögliche Ursachen abzustellen. Bei Übergewicht sollte auf Folgendes geachtet werden:

  • Anpassung der Futtermenge (Heu abwiegen!)
  • Fruktan- und energiearmes Heu, Stroh (Achtung, nicht zu viel, da Verstopfungsgefahr!)
  • Ungiftige, geeignete Äste zum Knabbern als Beschäftigung
  • Keine oder stark eingeschränkte Weidegänge (erhöhen die Gefahr eines Folgeschubes enorm)
  • Unterstützende Fütterung durch ein auf Rehepferde abgestimmtes Mineralfutter wie ATCOM Rehe-Vital – zuckerfrei und speziell für stoffwechselempfindliche Pferde entwickelt

Sicheres Weidemanagement bei Hufrehe-Risiko

Für Pferde mit Hufrehe-Vorgeschichte oder erhöhtem Risiko ist das Weidemanagement entscheidend. Die größte Gefahr geht von fruktanreichem Gras aus.

Wann ist Weidegang besonders riskant?

Bedingung  Fruktangehalt Empfehlung
Frostnacht + sonniger Morgen Sehr hoch Weide meiden
Kühl (unter 5°C) + sonnig Hoch Kurze Zeitfenster, Fressbremse
Nach Trockenheit + Regen (Wachstumsschub) Hoch Vorsicht
Mild, bewölkt, kein Frost Niedriger Entspannter
Nachmittags bei warmem Wetter Niedriger Besseres Zeitfenster

 

Praktische Tipps:

        Fressbremse/Maulkorb: Reduziert die Grasaufnahme deutlich

        Zeitfenster: Lieber nachmittags als morgens nach Frost

        Paddock-Alternative: Trockener Auslauf ohne Gras ist sicherer

        Heu vor Weide: Sättigt das Pferd vor und reduziert Heißhunger auf Gras

        Anweiden: Im Frühjahr langsam steigern (anfangs nur 15-30 Minuten)

 

Heu einweichen und Futteranalyse

Für Pferde mit Stoffwechselproblemen oder nach einer Hufrehe kann es sinnvoll sein, den Zucker- und Fruktangehalt im Heu zu reduzieren.

Heu einweichen – so geht's:

        Heu für 30-60 Minuten in kaltem Wasser einweichen

        Das Wasser bindet wasserlösliche Kohlenhydrate (Zucker, Fruktane)

        Wichtig: Einweichwasser entsorgen, nicht ans Pferd verfüttern

        Eingeweichtes Heu zügig verfüttern (nicht stehen lassen – Schimmelgefahr)

        Im Sommer kürzer einweichen, da sich Keime schneller vermehren

Heuanalyse: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sein Heu im Labor auf den Zucker- und Fruktangehalt untersuchen lassen. Als Richtwert gilt: Der Gehalt an Zucker + Fruktan sollte unter 10% liegen.

Heilungschancen bei Hufrehe

Je früher die Hufrehe im akuten Stadium erkannt wird und je schneller geeignete Maßnahmen erfolgen, desto höher ist die Chance Veränderungen in der Hornkapsel zu verringern oder sogar zu verhindern.

Ist die Entzündung abgeklungen, geben Röntgenbilder Aufschluss über den entstandenen Schaden. In seltenen, glücklichen Fällen ist das Hufbein noch in der alten Lage und die Verbindung zur Hufkapsel ist erhalten geblieben. Nach wenigen Wochen kann man hier von Heilung sprechen und ein chronischer Verlauf bleibt dem Pferd erspart.

Bei typisch chronischen Verläufen kann man nur von Heilung sprechen, wenn die ursprüngliche Form und Funktionalität des Hufes wieder hergestellt werden kann. Dies kann je nach Schwere des Schadens Monate bis Jahre dauern oder unter Umständen gar nicht gelingen.

Wie beuge ich Hufrehe vor?

  1. Die wichtigste Maßnahme der fütterungsbedingten Hufrehe vorzubeugen ist Übergewicht beim Pferd zu vermeiden. Die Berechnung des Body Condition Scores, eine Pferdewaage und die Beratung durch den Tierarzt erleichtern die Beurteilung des Futterzustandes.
  2. Die korrekte Fütterung und der Weidegang mit Augenmaß sowie ausreichendes Training regen den Stoffwechsel an und verringern die Gefahr von EMS.
  3. Der richtige Hufschutz oder ein wirklich geeigneter Lauf-Untergrund, sowohl im Paddock als auch beim Ausreiten, soll dafür sorgen, dass sich das Pferd viel und gerne bewegt. Mehr dazu in unserem Ratgeber Basiswissen Pferdehufe.
  4. Stärke- und zuckerreduziertes Futter, Heu aus energiearmen Grassorten, viel Beschäftigung und Bewegungsanreize sind die Basis.
  5. Bei allen Hufrehedispositionen durch Vorerkrankungen kann der Tierarzt beraten. Unterstützend kann ein speziell auf Rehepferde abgestimmtes Mineralfutter wie ATCOM Rehe-Vital gefüttert werden.

Welche Pferderassen sind besonders hufrehegefährdet?

Die größte Gefahr besteht sicher für die Pferderassen, die genetisch aus einer Gegend mit eher kargem, energiearmem Futterangebot kommen. Dazu zählen insbesondere die Robustpferderassen, wie Islandpferde, Ponies, Norweger und Haflinger, aber auch iberische Pferde, Rassen aus Südamerika und der Araber. Diese Pferde sind genetisch nicht für unsere mitteleuropäischen Weiden mit dem reichhaltigen Futterangebot gezüchtet - insbesondere nicht in Verbindung mit zu wenig Arbeit.

Grundsätzlich gilt: Je leichtfuttriger das Pferd, desto eher wird es zu dick und desto höher ist das Risiko an stoffwechselbedingter Hufrehe zu erkranken. Doch das Risiko für Übergewicht betrifft hier bei uns alle Pferdetypen. 

Häufig gestellte Fragen zu Hufrehe beim Pferd

Wie lange dauert ein Hufrehe-Schub?

Die akute Phase eines Hufreheschubs dauert in der Regel wenige Tage. In dieser Zeit finden die schädlichen Prozesse im Huf statt. Je schneller behandelt wird, desto geringer fallen die Schäden aus. Die anschließende Erholungsphase kann jedoch Wochen bis Monate dauern – je nach Schwere des Schubes.

Wie lange muss ein Pferd bei Hufrehe in Boxenruhe?

Die Boxenruhe sollte mindestens 2-4 Wochen betragen, bis das Pferd schmerzfrei ist und tierärztlich (ggf. per Röntgen) eine Stabilisierung bestätigt wurde. Bei schweren Verläufen kann die Ruhephase auch mehrere Monate dauern. Wichtig ist eine dicke, weiche Einstreu (mindestens 30 cm), damit das Pferd sich hinlegen kann.

Ist Hufrehe heilbar?

Das hängt von der Schwere ab. Bei frühzeitiger Behandlung und geringer/keiner Hufbeinrotation kann eine vollständige Heilung gelingen. Bei schweren Verläufen mit deutlicher Hufbeinsenkung oder -rotation ist eine vollständige Wiederherstellung oft nicht möglich. Viele Pferde können jedoch mit angepasstem Management ein schmerzfreies Leben führen.

Darf ein Rehepferd jemals wieder auf die Weide?

Das ist individuell zu entscheiden. Viele Rehepferde können mit striktem Weidemanagement (Fressbremse, begrenzte Zeiten, Meiden von Risiko-Situationen wie Frost + Sonne) wieder kontrolliert grasen. Bei Pferden mit EMS oder wiederkehrenden Schüben ist oft ein dauerhafter Verzicht auf Weide die sicherste Option. Besprechen Sie dies mit Ihrem Tierarzt.

Wie erkenne ich, ob mein Pferd EMS oder Cushing hat?

Typische Anzeichen für EMS sind Übergewicht, Fettpolster (besonders am Mähnenkamm), Hufrehe ohne erkennbare Ursache und Insulinresistenz. Cushing (PPID) zeigt sich oft durch langes, lockiges Fell (auch im Sommer), verzögerter Fellwechsel, Muskelschwund, vermehrtes Trinken und Anfälligkeit für Infekte. Beide Erkrankungen kann der Tierarzt durch Bluttests diagnostizieren.

Was ist der Unterschied zwischen akuter und chronischer Hufrehe?

Bei der akuten Hufrehe findet eine aktive Entzündung der Huflederhaut statt – das Pferd hat starke Schmerzen, warme Hufe und kann sich kaum bewegen. Die chronische Hufrehe beschreibt den Zustand nach der Entzündung: Das Hufbein hat seine Position verändert (Rotation/Senkung), die Hufform ist dauerhaft verändert. Das Pferd ist oft fühlig und empfindlich, aber die akute Entzündung ist abgeklungen.

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